Alle Beiträge von Johannes Maximilian Nießen

Bestände aus Klosterbibliotheken in Aachens Gymnasialbibliothek

Eine wichtige Voraussetzung für weiterführende Überlegungen zur Zukunft der historischen Lehrerbibliothek des Kaiser-Karls-Gymnasiums (KKG) besteht in der Erhellung bislang ungeklärter Besitzverhältnisse. Wie bei einer ganzen Reihe von Gymnasialbibliotheken1 haben im Laufe der Zeit auch Bestände aus Klosterbibliotheken Eingang in die historische Lehrerbibliothek des KKG gefunden. Zwei handschriftliche Konvolute vom Beginn des 20. Jahrhunderts helfen, diese Bestände zu rekonstruieren, da sie rund 60 Titel auflisten, die ursprünglich aus Klosterbibliotheken stammen sollen. Eine Erschließung dieser Bestände kann somit auch zur Erforschung der regionalen Ordensgeschichte beitragen.2

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  1. Vgl. zur Bibliothek des Collegium Augustinianum Gaesdonck etwa Magofsky/Nießen/Noeske 2023a, S. 45 und Magofsky/Nießen/Noeske 2023b, S. 342–343. [↩]
  2. Vgl. zu den Beständen der Kreuzherren in Wickrath und Hohenbusch bei Erkelenz ausführlich Nießen 2025 und Nießen 2026a. [↩]

Mercator-Atlas aus historischer Schulbibliothek des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums und einzigartige Inkunabel nach Restaurierung zurück in Wuppertal

Weltweit einzigartig: Über 500 Jahre altes Buch zurück in Wuppertal

Mit Dank an Felicitas Noeske für den Hinweis auf die Provenienz der Inkunabel hier: GW. Incunable M4538010 und hier: Inkunabeln Wuppertal StB

Vgl. auch:

Historische Schulbibliothek des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums ist vollständig digitalisiert | bibliotheca.gym

und

Schulbibliothek in Wuppertal | bibliotheca.gym

Buchbestände aus dem Kloster Hohenbusch in Aachens historischer Gymnasialbibliothek?

Dieser Beitrag ist ursprünglich im  Heimatkalender des Kreises Heinsberg 2026, S. 233-237, veröffentlicht worden. Die Online-Publikation erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des Heimatkalenders.

Die Klosterbibliothek von Haus Hohenbusch als „Wissensraum“

Haus Hohenbusch bei Erkelenz ist die zweitälteste Niederlassung des Kreuzherrenordens in Deutschland.i Im 17. Jahrhundert waren dort ein zentrales Noviziat sowie ein philosophischer Studienkurs angesiedelt.ii Für die geistige Bewegung des Humanismus zeigten sich die Ordensleute in Hohenbusch bereits seit Ende des 15. Jahrhunderts aufgeschlossen: Es gab Unterricht in den sogenannten „freien Künsten“ (artes liberales), zu denen auch Grammatik, d.h. klassisches Latein, Rhetorik und Naturwissenschaften gehörten.iii Nicht nur zu diesen Zwecken bedurfte es geeigneter Bücher.

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Erinnerungen an Aachens historische Gymnasialbibliothek

Die Printfassung des Beitrags ist erschienen in: Kaiser-Karls-Gymnasium / Vereinigung der Ehemaligen (Hrsg.): Jahrbuch + Forum 2025/2026, Aachen: Selbstverlag, S. 65-67.

Am 27. März 2026 hatte ich die Gelegenheit, mit Herrn Martin Wüller, heute Schulleiter des Dalton-Gymnasiums Alsdorf, ein interessantes Gespräch zu führen: Herr Wüller berichtete nämlich aus seiner Schulzeit in den 1980er Jahren und vor allem von seinem Engagement für die historische Lehrerbibliothek des Kaiser-Karls-Gymnasiums, die im Jahr 2025 nach rund 200 Jahren ihren angestammten Platz hat verlassen müssen. Auf Initiative des vielseitig engagierten Latein- und Altgriechischlehrers Dr. Franz Heidbüchel (1925 bis 2004)1 versah Wüller zusammen mit seinem Mitschüler Norbert Biermann, heute Professor für Repertoire an der Universität der Künste Berlin, von der 9./10. Klasse bis zum Abitur, d. h. in den Jahren 1984 bis 1987, einen besonderen Dienst in der Lehrerbibliothek. Im Falle von Herrn Wüller motivierte diese Tätigkeit sogar dazu, den Beruf des Bibliothekars als Berufswunsch ernsthaft zu erwägen.

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  1. Dieser organisierte in den 1970er Jahren die ersten Griechenlandfahrten und vermehrte die Bibliotheksbestände noch bis Ende der 1960er Jahre, z. B. Franz Bömer: Kommentar zu Ovids Metamorphosen, Heidelberg: Winter 1969ff.; Friedrich Klingner: Virgil. Bucolica, Georgica, Aeneis. Zürich/Stuttgart: Artemis 1967. Diese Hinweise verdanke ich Dr. Hermann Kramer. [↩]

Zur Medialität von historischen Schulbibliotheken: Eine Frage des Stils?

Der Soziologe Dirk Baecker hat unlängst das 110-seitige Buch mit dem Titel Digitalisierung veröffentlicht, in dem er u. a. die These vertritt, dass Digitalisierung in der Negation des Widerstands der analogen Wirklichkeit, besagter gesellschaftlicher Digitalisierung, bestehe (vgl. a. a. O., S. 97).

Unter den Einsichten seines der Systemtheorie Niklas Luhmanns in Inhalt und sprachlicher Form gleichermaßen verpflichteten Essays findet sich auch eine, die für den gesellschaftlichen Umgang mit Bibliotheken bedenkenswert ist:

„‚The medium is the message‘, ist das berühmte Diktum von Marshall McLuhan: ‚Denn die ‚Botschaft‘ jedes Medium oder jeder Technik ist die Veränderung des Maßstabs, Tempos oder Schemas, die es der Situation des Menschen bringt.‘ Später heißt es: ‚The Medium is the Message‘. Denn in der Tat: Unterschiedlich ‚massiert‘ werden Körper, Psyche und Sozialverhalten der Menschen je nach den Medien, denen sie ausgesetzt sind und sich aussetzen. Man liest nicht nur ein Buch, schaut nicht nur Fernsehen, pflegt nicht nur sein Profil in einem sozialen Netzwerk, um sich mit Information zu versorgen, sondern man macht etwas mit sich und aus sich, indem Auge und Geist den Zeilen eines Buches folgen, sich den bewegten Bildern des Fernsehens ausliefern oder ein Profil daraufhin bewerten, wie es sich im Vergleich zu anderen Profilen bewährt. Man bleibt aktiv, jedoch im Duktus, Rhythmus und Stil des Mediums, in dem man sich bewegt.“

(Textnachweis: Dirk Baecker: Digitalisierung, Berlin: Suhrkamp 2026, hier: S. 34)

Als heterotope Wissensräume, juristische Sachgesamtheiten, historische Überlieferungszusammenhänge, schriftliches Kulturgut, Praktiken dokumentierende Akteur-Netzwerke und (außer)schulische Lernorte mögen auch und insbesondere historische Schulbibliotheken und -archive als analoge Widerstandsposten erscheinen, vermögen sich im Spiegel von Baeckers Thesen jedoch im Letzten als gesellschaftliche Bedingungen der Möglichkeit von Digitalisierung zu behaupten.

Herzlichen Glückwunsch zum Hundertzwanzigsten!

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Dies gilt auch für das 425-jährige Jubiläum des Aachener Kaiser-Karls-Gymnasiums, das 1601 unter dem Namen Gymnasium Marianum von den Jesuiten in der Nähe der heutigen Annastraße gegründet wurde. Im Schatten dieses Ereignisses hat sich am 4. April 2026 von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt ein anderes Jubiläum ereignet: Der 120. Geburtstag des seinerzeit “neuen Schulgebäudes”, des heutigen repräsentativen Altbaus der Schule. Nach Abriss des überwiegenden Teils des zuvor als Schulgebäude genutzten, aber baufällig gewordenen Kreuzgangsgebäudes des Aachener Augustinereremiten-Konvents fand der Unterricht von 1902 bis 1906 behelfsmäßig im ehemaligen Konventsgebäude der Franziskaner-Rekollekten in der heutigen Großkölnstraße statt. Im Zeitraum von 1903 bis 1906 errichtet, konnte das “neue Schulgebäude” am 4. April 1906 bezogen werden, wie der damalige Stadtbaurat Joseph Laurent in einer eigens zu diesem Anlass herausgegebenen Schulschrift berichtet. Wo derweil Aachens historische Gymnasialbibliothek während dieser zahlreichen Auf- und Umbrüche untergebracht war, bleibt eine offene Frage.

Abb. 1: Aufnahme um 1903: Die Fundamente für das neue Schulgebäude sind gelegt; im Hintergrund die heutige Aula Carolina und der Rest des Augustinerkonventsgebäudes. Quelle: Historische Sammlung KKG; digital bearbeitet von Rayhana Yousfi 2026.

 

Quelle:

Laurent, Joseph: Kaiser-Karls-Gymnasium zu Aachen. Beschreibung des neuen Schulgebäudes von Joseph Laurent, Stadtbaurat. Mit 10 Tafeln = zugleich: Scheins, Martin: Kaiser-Karls-Gymnasium zu Aachen. Jahresbericht für 1905-1906 von Dr. Martin Scheins, Director. Inhalt: Schulnachrichten (Progr. Nr. 525), Aachen: Hermann Kaatzer 1906.

Ein Kölner Professor, ein glühender Gegenreformator und ein beflissener Chronist – Lateinische Texte legen in Aachen beredtes Zeugnis über drei Augustiner-Eremiten ab

[Die Druckfassung dieses Beitrag ist in Heft 27 (2026), p. XXXI-LX von Pro Lingua Latina publiziert.]

I. Einleitung

Am 8. Mai 2025 ist der Augustiner-Orden (Ordo Sancti Augustini; Ordenskürzel: OSA) mit der Wahl seines ehemaligen Generalpriors Robert Francis Kardinal Prevost zu Papst Leo XIV. unerwartet in das Interesse der Weltöffentlichkeit gerückt. Im deutschsprachigen Raum nahm bekanntlich durch den Reformator Martin Luther nicht nur die Ordensgeschichte der Augustiner – seinerzeit noch Augustiner-Eremiten (Ordo Eremitarum Sancti Augustini; Ordenskürzel: OESA) genannt – , sondern die Kirchengeschichte als ganze eine ihrer bisher wohl nachhaltigsten Wendungen. Diese Wendung hatte zur Folge, dass sich in der frühen Neuzeit insbesondere Angehörige des Augustiner-Ordens mit umso größerem Eifer der Gegenreformation, d. h. der Bekämpfung der Lehren Luthers, widmeten.

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Bibliothek des Gymnasiums Georgianum könnte in Lingen erhalten bleiben

Martin Gerekamp, Erster Kreisrat des Landkreises Emsland, betont in einem Artikel der Neuer Osnabrücker Zeitung, “dass dem Landkreis als Träger der Schule bewusst ist, dass der Bestand ein großer Schatz ist und dieser in Lingen erhalten bleiben soll. Nicht in Kartons, sondern in Räumen, die konservatorisch geeignet für die Bücher sind. Wenn nicht im Georgianum, dann aber in der Nähe der Schule.”

(Quelle: Schatz aus dem Georgianum Lingen: Geschichte hinter dem Zepter)

Dies gibt Grund zur Hoffnung – nicht nur für Lingen, sondern auch für andere Standorte mit historischen Gymnasialbibliotheken. Dazu ein Kommentar von Dr. Hermann Krüssel aus Aachen:

“Die Frage ist, wohin mit den kostbaren Bibliotheken. Die Frage ist, wie wir es mit unserer Kultur überhaupt halten. Was passiert mit Büchern, die heute von der Mehrheit nicht mehr zu lesen sind, weil sie in Hebräisch, Griechisch, und jetzt muss man wohl auch immer mehr Lateinisch hinzuzählen, geschrieben sind? Weg damit, weil kein Platz, weil die Wirtschaft sie nicht braucht, weil Geisteswissenschaften ohnehin auf dem Abstellgleis, weil in Niedersachsen die Fremdsprachen in der Oberstufe auf dem Abstellgleis stehen sollen? Ich lese mit Freuden, dass es um Räume und nicht um Kartons für die ausrangierten Bücher gehen soll. Hoffentlich wird diese Hoffnung auch Realität. In Aachen gibt/gab es eine großartige Historische Lehrerbibliothek. Ein Buch habe ich entdeckt, das ich nur noch einziges Mal in einer anderen Bibliothek finden konnte. Das Aachener Exemplar befindet sich (noch) in einem Karton. Burgsteinfurt, Lingen, überall stellen sich die Fragen nach dem Verbleib, besser natürlich nach einer Zugangsmöglichkeit solch kostbarer Bücher. Wir brauchen Kulturschaffende, Politiker mit Weitblick, die nicht von der Uni kommen ohne Berufserfahrung und ihrer Karriere dienen, sondern, die eben eine entsprechende nicht der Wirtschaft verpflichtete, sondern an der Humanitas (latein. Menschlichkeit, Bildung) orientierte Verpflichtung haben. Herr Dr. Spannhoff, Frau Schwegmann, Herr Gerenkamp, Herr Sieberg, alles Gute Ihnen und viel Erfolg. Lassen Sie sich bitte nicht von Wirtschaftlern (Ökonomen) und Parteiideologen von Ihrem Vorhaben abbringen. Ökonomen wissen in der Regel nicht, woher dieses Wort stammt. oikos – das Haus, nomos – das Gesetz. Sie richten sich allzu oft nach den Gesetzen des Marktes, besser wäre es, die Gesetze eines Hauses der Bildung in den Blick zu nehmen. Gilt auch für Minister in Kultur und Schule. Herzliche Grüße von einem im Herzen Emsländer Gebliebenen.”

Stadtarchiv Aachen übernimmt historische Bestände der Stadtbibliothek – und wo bleibt Aachens Gymnasialbibliothek?

Nach einer durch eine Presseanfrage zum geplanten “Haus der Neugier” und dem Verbleib von Aachens historischer Gymnasialbibliothek gewissermaßen nebenbei aufgedeckten Unklarheit gibt es seit Beginn des Jahres 2026 nun zumindest für die Altbestände der Aachener Stadtbibliothek Planungsperspektiven:

Gelungene Kooperation: Musikschule und Stadtarchiv übernehmen Teilbestände der Stadtbibliothek | Stadt Aachen

Inwiefern es sich um eine gelungene Lösung handelt, gilt es, abzuwarten. Dazu die Einschätzung von Dr. Klaus Graf: “Stadtbibliothek Aachen schiebt ihren Altbestand ab – Archivalia.”

Trotz anderslautender Überlegungen unter Beteiligung des Stadtarchivs Aachen (vgl. Aachener Zeitung; Nießen berichtete) ist der Verbleib der Bestände von Aachens historischer Gymnasialbibliothek nach wie vor ungeklärt. Die über die Angelegenheit informierten Aachener Stadtratsfraktionen verhalten sich deutlich zurückhaltend.